Hackathon der Vielen

Die Challenges

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#1 Organisierung un(ter)dokumentierter Paketzusteller:innen

Spätestens seit der Corona-Pandemie sind sie regelmäßige Gäste vor fast jeder Haustür: Paketzusteller:innen. Sie arbeiten vereinzelt, schlecht bezahlt sowie unter extrem hohem Zeitdruck und haben wenig Möglichkeiten, ihre Arbeitsrechte zu erkämpfen und durchzusetzen.  
 
Gerade Asylwerber:innen, die wegen des ansonsten sehr eingeschränkten Zugangs zum Jobmarkt oft dieser Arbeit schein-selbstständig nachgehen müssen, sind von dieser Ausbeutung und Entrechtung besonders hart betroffen: Um zumindest diese prekäre Einnahmequelle oder auch ihren Aufenthaltstitel nicht zu verlieren, können sie selten ihre Rechte geltend machen. Wie in vielen anderen Branchen, in denen Arbeiter:innen isoliert, mobil und ohne Anstellungsverhältnisse arbeiten, sind Paketzusteller:innen auch schwer für gewerkschaftliche Interessenvertretungen zu erreichen.  
 
Es braucht mehr als etablierte Kommunikationskanäle oder aufsuchende Arbeit in Betrieben, um Paketzusteller:innen Informationen, Vernetzungsmöglichkeiten oder eine technische Lösung, die sie dabei unterstützt, ihre Arbeitsverhältnisse zu dokumentieren, anzubieten. Auf welchen digitalen Wegen lassen sich also Paketzusteller:innen besser erreichen und welche digitalen Angebote könnten Interessenvertretungen ihnen machen? Wie können diese technisch und sprachlich möglichst barrierefrei sein? 

#2 Betriebsrat: Organisierung im Homeoffice

Das Arbeiten aus dem Homeoffice hat in der Pandemie an Bedeutung gewonnen und wird uns wahrscheinlich auch in der Ära nach den Lockdowns erhalten bleiben. Das stellt Gewerkschafter:innen, die die Interessen der Belegschaft vertreten und durchsetzen sollen, vor eine Herausforderung: 
 
Der persönliche Kontakt, das informelle Gespräch am Gang oder die gemeinsamen Diskussionen in Betriebsversammlungen – das alles ist für die Arbeit von Betriebsrät:innen unersetzlich. Aber was tun, wenn die Kolleg:innen nicht im Betrieb sind?   
 
Wie können also Kolleg:innen auch im Homeoffice erreicht und für den Austausch, für Betriebsversammlungen oder -wahlen gewonnen werden? Können Kommunikationstools die gewerkschaftliche Vertretungsarbeit unterstützen? Und können sie sogar zu mehr Mitsprache in der Arbeitswelt beitragen? 

#3 Organisierung mobiler Arbeiter:innen im Sozialbereich

Jobs im Sozialbereich sind anstrengend, schlecht bezahlt oder oft gar ausbeuterisch. Viele Menschen in der Branche arbeiten mobil, das heißt sie betreuen Menschen in ihrem zu Hause oder auf der Straße, zum Beispiel in der mobilen Pflege oder Heimhilfe. Das bedeutet auch, dass der Kontakt zwischen ihnen, ihren Kolleg:innen und den Betriebsrät:innen, die sie gewerkschaftlich vertreten schwerer aufrechtzuerhalten ist als in anderen Arbeitsverhältnissen. 
 
Umso wichtiger ist deswegen, Möglichkeiten zu schaffen, den Kontakt und die Vernetzung zu diesen Kolleg:innen zu stärken.  Digitale Kommunikationstools können dabei helfen. Allerdings muss auf niedrige digitale Kompetenzen und gegebenenfalls Sprachbarrieren geachtet werden. Viele neue Tools werden eingeführt, die oft nur mehr bürokratischen Aufwand verursachen - ohne echten Mehrwert für die Beschäftigten. 
 
Wie also können wirkliche hilfreiche und niederschwellige Tools aussehen, die die Bedürfnisse, Kompetenzen und Arbeitsrealitäten der Arbeiter:innen im Sozialbereich berücksichtigen und ihnen neben Austausch und Information auch reale Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen ermöglichen? 

#4 Eine Straßenzeitung in Pandemie und digitalem Zeitalter?

Straßenzeitungen gehören zum Leben in jeder größeren Stadt. Sie erzählen die oft verborgenen und übersehenen Geschichten, sind im besten Sinne alternative und kritische Medien. Der Herzschlag solcher Zeitungen sind aber nicht nur ihre Inhalte, sondern vor allem die Begegnungen ihrer Verkäufer:innen und der Stadtbewohner:innen auf der Straße.  
 
Gerade diese Begegnungen sind seit der Pandemie drastisch zurückgegangen, sei es in Lockdowns und aufgrund der Vorsicht vor physischen Kontakten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen - gerade bei jüngeren Zielgruppen. Die Verkaufszahlen gehen massiv zurück und das gefährdet nicht nur die Existenz der Straßenzeitungen selbst, sondern auch jene der Verkäufer:innen.  
 
Für viele Menschen mit Armutserfahrung bedeuten diese Zeitungen dabei nicht nur finanzielles Auskommen, sondern den Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens, an dem sie sich mit Kolleg:innen, aber auch Stadtbewohner:innen austauschen, vernetzen, stärken und organisieren. Digitale Abos mögen Verkaufszahlen wieder etwas steigern, diese Aspekte können sie aber nicht ersetzen. 
 
Was können also digitale Möglichkeiten für den Verkauf sein, die die Begegnungen auf der Straße und sichere Distanz gleichzeitig ermöglichen? Wie können diese mit möglichst wenig Ressourcen für Endgeräte und technische Betreuung sowie gleichzeitig praktisch, barrierearm und zugänglich sowohl für Verkäufer:innen als auch Kund:innen umgesetzt werden? 

#5 Sichere Cloud und Kommunikation für Aktivist:innen

Die Losung “Wissen ist Macht” ist heute mehr denn je unvollständig. Im Zeitalter der Globalisierung in einer digitalisierten Welt sind es ebenso die Möglichkeiten, Informationen aufzubewahren, zu teilen und zu transportieren sowie miteinander zu kommunizieren und Entscheidungen  zu treffen, die essentiell für Interessendurchsetzung sind.   
 
Gerade, wenn man sich als Organisation für eine global gerechte Welt einsetzt, gilt es zu sichern, dass das angesammelte Wissen und die unterschiedlichen Erfahrungen allen gleichermaßen zugänglich sind – Angestellten wie Ehrenamtlichen. Informationshierarchien, egal ob sie strukturell bedingt sind oder aufgrund der Hochschwelligkeit des Zugangs der benutzten Tools, schwächen hingegen die gemeinsamen Ziele. 
 
Vorhandene kommerzielle Lösungen zur Sicherung und Nutzung von Information wie Clouds genügen einerseits den hohen Sicherheits- und Datenschutzanforderungen selten, andererseits möchten gerade NGOs die dahinerstehenden Konzerne nicht unterstützen. Auf der Ebene der Kommunikation unter den Aktivist:innen kommen weiters Nutzungsgewohnheiten ins Spiel: Während ältere Hauptamtliche E-Mail nutzen, setzen jüngere Ehrenamtliche eher auf Chat-Tools.  
 
Wie also können sichere, inklusive, digitale Möglichkeiten aussehen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Gewohnheiten von Aktivist*innen entsprechen? Wie können diese zur sicheren und zugänglichen Vermittlung von Information genauso beitragen wie zur Verbesserung der Kommunikation und Entscheidungsfindung? 

#6 Planspiele für Schüler:innen mit Gaming

Planspiele haben eine lange Tradition in der politisch ökonomischen Bildung. Zuerst eingesetzt für Lern- und Entscheidungsprozesse in Wirtschaft und Politik, wurde ihr Potential auch für Schulen erkannt. Dabei simulieren Schüler*innen Erfahrungen in einer vernetzten Wirtschaftswelt. Rollenspiele, Grafiken, Diskussionsrunden, Lohnverhandlungen, Reflexionsphasen usw. ermöglichen ein aktiv-produktives Lernen, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch politisiert.

Können solche "analogen" Planspiele auch ins Digitale übersetzt und mit Hilfe von Gaming-Elementen spannender gemacht werden? Wie könnte ein solches Game aussehen?

#7 Bürger:innen-Initiativen zu umweltfreundlicher Mobilität vernetzen

Die Gegenwart und Zukunft der Mobilität ist global ein brennendes Thema unserer Zeit. Gleichzeitig ist es ein sehr regionales und lokales: Oft geht es um die Straße, in der man wohnt, um die Nachbar:innenschaft, die den Lebensmittelpunkt darstellt, also dort, wo vielfältige Grassroots-Initiativen entstehen, die im eigenen unmittelbaren Umfeld eine Verbesserung der Lebensumstände heute und morgen vorantreiben möchten. Informationen zu Verkehrsplanung und Umgestaltung des städtischen Raums sind von offizieller Seite größtenteils nicht verfügbar, bzw. oftmals nur in Form von Datensätzen, die nicht für alle Menschen gut zugänglich sind. 
 
So erarbeiten die Initiativen vielfach selbst das Wissen, aus denen sie ihre Forderungen ableiten. Außerdem existieren unterschiedliche digitale Tools, die ihre Arbeit unterstützen könnten: In Wien beispielsweise der Radkummerkasten der Radlobby Wien zur Sammlung von Problemstellen im Radverkehr oder das StreetTUner Tool der TU Wien zur einfachen Umgestaltung von Straßenquerschnitten.  
 
Wie können also digitale Räume aussehen, die bestehende Tools und das Wissen verknüpft, eine Anlaufstelle sowie Vernetzung für aktive Bürger:innen und Initiativen bietet, eine Sammlung und transparente Aufbereitung von Daten leichter macht sowie einen sicheren Austausch für rechtliche Informationen zu Demonstrationen, Aktionen und Kampagnen ermöglicht? 

#8 Digitales Storytelling für Klimagerechtigkeit

Viele junge Menschen nutzen den digitalen Raum, um auf politische Missstände hinzuweisen und sich zu organisieren, um diese zu verändern. Gerade bei global relevanten Themen wie der Zerstörung der Regenwälder, der Vergiftung von Arbeiter:innen mit Pestiziden, der Ermordung von Klimaaktivist:innen oder den Menschenrechtsverletzungen beim Abbau seltener Metalle für Smartphones sind sie dabei mit übermächtigen Gegner:innen und teuren Kampagnen konfrontiert und nicht sogar selten mit absichtlicher Desinformation und Fake News. 
 
Die digitalen Skills, die es für gute Content-Produktion braucht, sind oft in Marketingagenturen zu finden. Um sich das Wissen über Kampagnen und Aktionen, wie sie zustande kommen und verbreitet werden, anzueignen, fehlen oft Zeit und Ressourcen. Gerade dieses Wissen und Skills sind aber essentiell, um junge Aktivist:innen zu ermächtigen, damit sie sich Gehör zu den großen Krisen verschaffen können. 
 
Wie können also digitale Tools zur Vermittlung, des Ausprobierens und des Austauschs zu solchem Wissen und Skills aussehen? Wie können durch solche Tools die oft sehr hochschwelligen Kompetenzen angelernt, die Wirksamkeit der eigenen Ideen überprüft und der Austausch zwischen Aktivist:innen gestärkt werden? 

#9 Selbstorganisierung von Menschen mit Armuts- und Ausgrenzungserfahrungen

Armut betrifft fast jede:n Vierte:n in Österreich. Ein würdevolles, demokratisches und selbstbestimmtes Leben ist jedoch nicht möglich, solange soziale Menschenrechte nicht verwirklicht werden. Weil Menschen mit Armuts-, Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrung hart darum kämpfen müssen,  überhaupt gesehen zu werden, haben sich einige Gruppen und Initiativen zu einer Plattform zusammengeschlossen. Gemeinsam versuchen sie, ihre Anliegen gegenüber Entscheidungsträger:innen durchzusetzen und etwas gegen die Spaltung der Gesellschaft zu unternehmen. Sie fordern vor allem existenzsichernde Einkommen, Absicherung in Kindheit und Alter, leistbares Wohnen, ein lückenloses und barrierefreies Gesundheitssystem oder gesellschaftliche Akzeptanz und Teilhabe.

Für den Zusammenschluss dieser kleinen Initiativen, Selbsthilfegruppen und Selbstorganisationen von Menschen mit Armuts- und Ausgrenzungserfahrungen stellen sich folgende Fragen: Wie können sie mit wenig Ressourcen und (noch) sehr eingeschränkten digitalen Skills den digitalen Raum und digitale Tools nutzen, um ihre Ziele besser umsetzen zu können? Wie können sie vernetzter und effektiver arbeiten, mehr Leute erreichen und ihre Anliegen besser durchsetzen? Welche vorhandenen Tools können hilfreich sein, welche Adaptionen oder neuen, einfacheren Zugänge braucht es und können entwickelt werden? Wie kann bestehende Technik und Wissen gut und einfach vermittelt werden und wie können auch Support-Strukturen etabliert werden?

Studierenden-Challenge

Bei der Anmeldung kannst du auch eine eigene Challenge einbringen. Das Center for Technology and Society bereitet die Vorschläge auf und entwickelt daraus eine Challenge, die beim Hackathon bearbeitet wird.