Tätowierungen haben in den letzten zwei Jahrhunderten einen tiefgreifenden Bedeutungswandel erfahren — zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Für darwinistisch und kriminalanthropologisch geprägte Beobachter galten sie als Zeichen von Rückständigkeit, „Primitivität“ und Gefährlichkeit. Der Vortrag zeichnet diese Deutungen nach und verfolgt die Professionalisierung des Handwerks (Maschinen, Pigmente, Hygiene, Regulierung), die Veränderung von Motiven und Milieus sowie den Weg von der Stigmatisierung hin zu Selbstinszenierung, Erinnerungskultur und Mainstream.
Peter Becker leitet das Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Seine Arbeiten zur Geschichte der Kriminologie als Diskurs und Praxis (19./20. Jh.) beleuchten die Bedeutung der Tätowierung.